Das Projekt "Treffpunkt Süd" 

 

„Treffpunkt Süd“ - Begegnungs- und Freizeitgruppe für seelisch erkrankte Menschen.

Eine Initiative von Stuttgarter Bürgerinnen und Bürgern.

Trägerverein: Stuttgarter Bürgerkreis zur Förderung seelischer Gesundheit e.V.

 

Kontakt:                       

Stuttgarter Bürgerkreis zur Förderung seelischer Gesundheit e.V.

Dr. Inge Schöck, Vorsitzende, Arthurstr. 8, 70565 Stuttgart

Tel. 0711 / 747338                 Fax: 0711 / 741923

E-Mail: Inge.Schoeck@t-online.de

 

 

Projektbeschreibung:

 

Der „Treffpunkt Süd“ wurde im Februar 1981 gegründet. Er setzt sich zusammen aus ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Stuttgart und Menschen, die auf Grund seelischen Leidens und psychischer Probleme Schwierigkeiten haben, Kontakte zu knüpfen und am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilzunehmen. Die Gruppe hat derzeit Verbindung zu etwa 60 Personen aus der ganzen Stadt. Einige halten auch die Verbindung nach ihrem Umzug ins Umland zu uns aufrecht. Die Gruppe ist selbständig und weder politisch noch konfessionell gebunden. Sie steht für jedermann offen. Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. Bei den verschiedenen Aktivitäten beteiligen sich die Teilnehmer an den Unkosten. Die Arbeit wird vom „Stuttgarter Bürgerkreis zur Förderung seelischer Gesundheit e.V.“ unterstützt. Er ist unser Trägerverein. Der „Treffpunkt Süd“ ist Mitglied im Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen (Bonn). Finanzielle Zuwendungen erhält er von der Stadt Stuttgart (2003: 310 EURO) und dem Land (2003: 464 EURO).

 

Sechs Ehrenamtliche sorgen für den Zusammenhalt und die organisatorische Grundstruktur der Gruppe. Keine/r dieser Ehrenamtlichen ist bzw. war beruflich im Sozialbereich tätig.

 

Die Gruppe trifft sich seit ihrer Gründung im Jahr 1981 ohne Unterbrechung ein Mal in der Woche. Dafür stehen uns Räume in der Schlosserstraße 28 a (Sozialpsychiatrischer Dienst) zur Verfügung.

 

An den Clubabenden nehmen je nach Programm zwischen 15 und 25 Menschen teil. Es ist uns wichtig, dass dieses Programm von den Betroffenen und den Ehrenamtlichen gemeinsam erarbeitet und zusammengestellt wird. Es werden Spiele gemacht, es wird gesungen, diskutiert, gewandert, vorgelesen, gegessen usw. Genau so stehen Besuche in Museen oder im Planetarium auf dem Programm. Auch um originelle Einfälle ist die Gruppe nicht verlegen: „Kruschteltausch“, „Winterlicher Fackelspaziergang“, „Literarisches Karussell“ usw. Es wird also ein Stück gemeinsamer Freizeit geplant und gestaltet – in wirklicher Gleichberechtigung. D.h. Vorschläge, Ideen und Kritik von Clubbesuchern finden sich in der Gestaltung der Gruppenaktivitäten wieder. Der Unterschied Krank – Gesund ist in diesem Miteinander aufgehoben.

 

Eine Besucherin hat es übernommen, im Namen der Gruppe Geburtstagsgrüße zu versenden. Die Bedeutung dieser Aktion kann man dann annähernd würdigen, wenn man weiß, dass dieser Gruß für manche die einzige Geburtstagspost ist. Auf diese Weise ist der „Treffpunkt Süd“ für einige Mitglieder zu einer Art Heimat geworden. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass auch außerhalb der Gruppentermine rege Kontakte bestehen und eine ganze Reihe von Mitgliedern sich zu zusätzlichen Aktivitäten trifft.

 

Zu den herausragenden Aktivitäten gehört seit 1984 eine Freizeit von fünf Tagen. Sie hat uns u.a. nach Damüls, ins Elsaß, in den Südschwarzwald, den Pfälzer und den Bayerischen Wald geführt. Auch die Schwäbische Alb und die Gegend um Dinkelsbühl gehörten schon zu unseren Zielen. Bei 15 – 20 Teilnehmern verliefen diese Freizeiten stets harmonisch und bedeuteten für die meisten neue Gemeinschaftserfahrungen. Für einige aus der Gruppe sind sie sogar der einzige „Urlaub“.

 

Aus der Erfahrung heraus, dass viele Menschen mit psychischen Belastungen starke Kontaktprobleme haben und diese Situation an Wochenenden besonders heftig empfunden wird, wurde im Jahr 1986 der „Sonntagstreff“ gegründet. Er findet einmal im Monat statt und soll so wenigstens an diesem Tag eine Anlaufstelle bieten. Wir wollten dieses Sonntagsangebot auch räumlich vom „Cluballtag“ trennen und waren dankbar, dass wir Räume im Alten Schulhaus in Birkach nutzen konnten. Seit kurzem ist der „Sonntagstreff“ Gast im „Cafe Fröschle“ des Sozialpsychiatrischen Dienstes Birkach.

 

Aus der Gruppe heraus kam ebenfalls schon früh die Anregung, auch tagsüber ein „niederschwelliges“ Angebot einzurichten. In Verhandlungen mit dem damals in der Projektphase befindlichen Sozialpsychiatrischen Dienst Stuttgart-Süd und dem Sozialamt der Stadt Stuttgart wurde das Konzept einer Tagesstätte erarbeitet und eine vertragliche Zusammenarbeit mit dem Caritasverband als Träger des Sozialpsychiatrischen Dienstes vereinbart. Dafür haben wir den Verein „Stuttgarter Bürgerkreis zur Förderung seelischer Gesundheit“ gegründet. Er ist seitdem auch Trägerverein für den „Treffpunkt Süd“.

 

In den Jahren 2002 und 2003 beteiligte sich der „Treffpunkt Süd“ an den Projekttagen zweier Stuttgarter Gymnasien mit dem Thema Psychiatrie in Stuttgart. Schülerinnen und  Schüler hatten an einem Abend Gelegenheit, die Gruppe kennen zu lernen und mit Betroffenen zu sprechen. Die Rückmeldungen über die Atmosphäre in der Gruppe und den Umgang in der Gruppe waren sehr positiv.

 

Die sechs Ehrenamtlichen in der Gruppe leisten im Jahresdurchschnitt etwa 900 „Arbeitsstunden“. Wichtigster Aspekt ist, dass sie sich als Bürger der Stadt für psychisch kranke Mitbürger engagieren und so beispielhaft Ausgrenzungen überwinden und Isolierung verhindern. Aus diesem Bürger-Verständnis heraus ist es für uns auch selbstverständlich, sich politisch für die Belange psychisch kranker Mitbürger einzusetzen. Als „sachverständige Bürger“ sind zwei der Ehrenamtlichen Mitglied / stellvertretendes Mitglied im Gesundheitsausschuss der Stadt Stuttgart, vorher im Psychiatrie-Arbeitskreis Stuttgart. Die Gründung einer Beschwerdestelle geht ganz wesentlich auch auf eine Initiative aus der Gruppe zurück. Bis heute arbeitet eine Vertreterin von Verein und Gruppe in der Beschwerdestelle mit.

 

Ergänzend möchten wir noch hinzufügen, dass wir mit den Sozialpsychiatrischen Diensten in der Stadt, den Gesundheitspolitikern und auch mit den verantwortlichen Stellen der Stadtverwaltung gut zusammenarbeiten. So weit wir es wahrnehmen und beurteilen können, wird unsere Arbeit und unser persönliches Engagement auf allen Ebenen in hohem Maße anerkannt und geschätzt.

 

 

Projektziel:

 

Das „Projekt Treffpunkt Süd“ hat mehrere Ziele:

-         Psychisch erkrankten Mitbürgern die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt ermöglichen,

-         Gemeinschaft erleben und mitgestalten,

-         verlässliche Bindungen schaffen, die sich auch in Krisenzeiten bewähren (z.B. bei Krankenhausaufenthalten),

-         gleichberechtigter Umgang,

-         emotionale und soziale Stabilisierung,

-         Abbau von Vorurteilen,

-         Öffentlichkeitsarbeit.

 

 

Wirkung:

 

Innerhalb des „Treffpunkt Süd“ können die Ziele weitgehend als verwirklicht angesehen werden. Nach einer Aufbau- und Etablierungsphase von ca. fünf Jahren hat sich die Gruppe auf dem geschilderten Niveau stabilisiert.

Verschiedene Rückmeldungen bestätigen, dass nach Zeiten der Kontaktarmut und Isolierung Mitglieder der Gruppe wieder mit der Stadt Stuttgart „versöhnt“ sind: „Ich habe wieder Freude an der Stadt“.

Die Teilnahme an den Clubaktivitäten bedeutet für alle – auch für die Ehrenamtlichen! – eine Verbesserung der Lebensqualität. Mit Grund können wir sagen, dass teure Klinikaufenthalte verschoben oder vermieden werden konnten.

 

 

Probleme und Hindernisse:

 

Obwohl wir uns in den derzeitigen Räumen ausgesprochen wohl fühlen, stößt die Gruppe bei verschiedenen Aktivitäten immer wieder an objektive räumliche Grenzen. Alternativen sind aber realistischer Weise nicht in Sicht.

Als noch gravierender empfinden wir, dass es außerordentlich schwierig ist, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen. Der Erfolg verschiedener Werbe-Aktionen hat sich in sehr überschaubaren Grenzen gehalten. Hierin sehen wir in der Perspektive das größte Problem.

Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass die „Arbeit“ mit psychisch erkrankten Menschen keine kurzfristigen und leicht „verkaufbaren“ Erfolge zeitigt. Vielmehr ist stilles, geduldiges Engagement gefragt. Kontakte und Vertrauen lassen sich nur sehr langsam aufbauen. In einer Zeit, die auf schnelle Resultate aus ist, fehlt dafür oft das nötige Verständnis.

Eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit wäre wünschenswert. Neben dem konkreten Engagement bleibt uns dafür leider wenig Zeit.